Alles mit Links

Viele Eltern sind irritiert, wenn ihr Kind Dinge mit der linken Hand verrichtet. Aus Unwissenheit reagieren sie auf die Linkshändigkeit ihrer Sprösslinge oft falsch: Sie möchten ihre Kinder zu Rechtshändern „umerziehen“, damit sie es im Leben leichter haben.

Wie entsteht Linkshändigkeit?

Die stärkere Ausprägung einer Gehirnhälfte ist für die Händigkeit eines Menschen verantwortlich. Grundsätzlich steuert die linke Gehirnhälfte die rechte Körperseite und die rechten Gehirnhälfte die linke. Bei Rechtshändern ist die linke Großhirnhälfte stärker ausgebildet, bei Linkshändern entsprechend die rechte. Diese Gehirnhälfte ist für Sprache, Motorik und Ausbildung einer „geschickteren“ Hand zuständig.

Die unterschiedliche Ausprägung der Gehirnhälften läuft bei jedem Menschen anders ab: Der Rechtshänder verarbeitet und steuert die Motorik in der linken Gehirnhälfte, der Linkshänder in der rechten. Die unterschiedlich ausgeprägten Gehirnhälften sind also dafür verantwortlich, mit welcher Hand man differenzierter arbeiten kann.

Das Gehirn umpolen

Auch heutzutage versuchen Eltern, ihre linkshändigen Kinder umzuschulen. Eine Umschulung kann jedoch Auswirkungen auf das Gehirn haben, denn die rechte Gehirnhälfte des Linkshänders ist dann unterfordert. Die andere Gehirnhälfte jedoch muss mehr und neue Aufgaben übernehmen, ist also überfordert.

Wenn ein umgeschulter Linkshänder nun mit der rechten Hand schreiben soll, darf seine starke und eigentlich steuern wollende rechte Gehirnhälfte nicht aktiv werden. Die schwächere und für diesen komplizierten Prozess nicht ausgebildete linke Gehirnhälfte muss nun diese Aufgabe übernehmen. Der eigentlich natürliche Ablauf wird dadurch unnötig verkompliziert.

Welche Folgen kann eine Umschulung mit sich bringen?

Als Konsequenz können Gedächtnis, Konzentrationsfähigkeit und Reaktionsschnelligkeit leiden. Ebenso können Minderwertigkeitsgefühle oder legasthenische Probleme wie Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten auftreten.

Weitere Folgen einer Umschulung können sich in einer Links-Rechts-Unsicherheit, feinmotorischen Störungen besonders im Schriftbild und Sprachstörungen, z. B. Stottern oder Stammeln, äußern. Aus diesen Schwierigkeiten können schnelle Ermüdung, Unsicherheit, Zurückgezogenheit und Trotzhaltungen folgen. Aber auch psychosomatische und neurotische Störungen wie Bettnässen, Nägelkauen und Schlafstörungen kommen vor.

Eine Umschulung vollzieht sich meist schon vor dem Schuleintritt des Kindes. Oftmals werden die möglichen Folgeerscheinungen der Umschulung nicht erkannt und Schulprobleme nicht ursächlich darauf zurückgeführt. Die Schwierigkeiten des „Pseudo-Rechtshänders“ werden fälschlicherweise als persönliches Unvermögen und mangelnde Begabung eingestuft.

Aus einem linkshändigen Menschen kann man keinen Rechtshänder machen und umgekehrt, da die Händigkeit eines Menschen durch die Dominanz einer Hirnhälfte festgelegt ist. Umgeschulte Linkshänder werden es im Leben also nicht leichter haben, sondern eher das Gegenteil wird der Fall sein

Tipps für den Umgang mit linkshändigen Kindern

Stellen Sie möglichst früh fest, welche Hand Ihr Kind bevorzugt. Unterstützen Sie Ihr Kind dahingehend, dass es diese Hand dann auch konsequent benutzt. Zwingen Sie Ihr Kind niemals, etwas mit der rechten Hand zu tun, was es mit der linken durchführen möchte. Eltern sollten ganz normal und ungezwungen mit Linkshändern umgehen.

Berücksichtigen Sie einige Kleinigkeiten besonders beim Schreiben:
• Achten Sie auf die richtige Haltung des Stifts: Den Stift am unteren Ende so mit Daumen, Zeige- und Mittelfinger halten, dass die linke Kante der Hand auf dem Papier aufliegt.
• Das Heft sollte mit der rechten unteren Seite zum Körper des Kindes hin zeigen.

• Achten Sie auf die richtige Körperhaltung: Die linke Schulter sollte etwas nach vorn zeigen. So wird eine verkrampfte Körperhaltung vermieden. Im Gegensatz zu Rechtshändern macht ein Linkshänder eher stoßende Schreibbewegungen, die aber völlig in Ordnung sind.
• Besprechen Sie mit Lehrerin oder Lehrer einen günstigen Sitzplatz im Klassenzimmer. Damit sich Links- und Rechtshänder beim Schreiben nicht behindern, sollte ein linkshändiges Kind an einem Zweiertisch am besten an der linken Seite sitzen.