Förderung bei Lernschwächen
Hat Ihr Kind eine Lernschwäche?
Der Umgang mit Sprache und das dazu notwendige Sprachverständnis sind von großer Bedeutung für das zukünftige soziale, kulturelle und berufliche Leben unserer Kinder. Ebenso sind mathematische Fähigkeiten, insbesondere das Beherrschen der Grundrechenarten, wichtig für die Entwicklung von Logik und Abstraktionsfähigkeit sowie die Bewältigung vieler Alltagssituationen.
Darum ist es wichtig, dass Kinder die wichtigen Grundlagen des Lesens, Schreibens und Rechnens rechtzeitig erlernen. Manche Kinder haben dabei jedoch Schwierigkeiten. Obwohl sie in anderen Schulfächern gute Leistungen erbringen, stellt das Lesen eine große Hürde dar oder einfache Rechenaufgaben können nur mit den Fingern gelöst werden.
Bei solchen Kindern liegt häufig eine Lernschwäche vor. Bezieht sich diese Lernschwäche auf das Lesen und Schreiben, spricht man von einer Lese-Rechtschreibschwäche (auch als Legasthenie bekannt). Hat das Kind jedoch Probleme mit dem Erlernen mathematischer Zusammenhänge, liegt oft eine sogenannte Rechenschwäche (auch als Dyskalkulie bekannt) vor. Mit einem gezielten Fördertraining kann diesen Kindern geholfen werden.
Was bedeutet Lese-Rechtschreibschwäche?
Sicherlich haben Sie schon häufig den Begriff Lese-Rechtschreibschwäche oder Legasthenie gehört. Es gibt eine Fülle von Untersuchungen und Schätzungen, wie viele Kinder Schwierigkeiten mit dem Lesen- und Schreibenlernen haben. Welche Zahl davon auch zutreffen mag, alle zeigen: Lese-Rechtschreibprobleme haben mehr Kinder, als wir denken. Ihr Kind ist also kein Einzelfall.
Die Ursachen für die Entstehung der Lese-Rechtschreibschwäche sind bisher noch nicht eindeutig geklärt. Mediziner ziehen eine verminderte Leistungsfähigkeit bestimmter Gehirn-Areale als Auslöser in Betracht, aber auch genetische Ursachen oder Hör- und Sehprobleme.
Wichtig ist es in jedem Fall, die Lese-Rechtschreibschwäche als Teilleistungsschwäche zu verstehen, also als Leistungsdefizit in einem begrenzten Teilbereich wie
Rechnen, Lesen oder Schreiben. Die betroffenen Kinder sind zumeist durchschnittlich oder sogar überdurchschnittlich intelligent. Die Lese-Rechtschreibschwäche kann durch eine gezielte Förderung der Kinder gemildert oder ganz beseitigt werden. Dies ist besonders wichtig, da das Lesen und Schreiben die Grundlage für jedes weitere Schulfach bilden und sich somit auf die Leistungsfähigkeit Ihres Kindes auswirken.
Wie erkennen Sie, ob Ihr Kind eine spezielle Förderung benötigt?
Bei Kindern mit Lese-Rechtschreibschwäche zeigt sich sehr früh eine gewisse Lese-Unlust, ein verlangsamtes Lesetempo und ein ungenaues, fehlerhaftes Lesen. Dies wiederum führt häufig zu Rechtschreibschwierigkeiten. Zudem verwechseln solche Kinder häufig ähnlich klingende Laute (wie o mit u, e mit i) oder sie vertauschen Buchstaben (wie a mit o, d mit g).
Unter www.lese-rechtschreib-schule.de finden Eltern zahlreiche Informationen für Kinder mit einer Lese- und Rechtschreibschwäche. In der Checkliste für Eltern hat der Studienkreis dort Auffälligkeiten zusammengestellt, die für die Lese-Rechtschreibschwäche typisch sind. Können Sie mehrere Punkte mit „ja" beantworten, sollten Sie sich an einen Experten wenden. Diese finden mithilfe von Tests heraus, ob eine entsprechende Therapie oder Förderung Ihres Kindes sinnvoll ist
Was bedeutet Rechenschwäche?
Manche Kinder, die beim Erlernen der Grundrechenarten Probleme haben, leiden unter einer so genannten Rechenschwäche oder Dyskalkulie. Hierunter versteht man eine Beeinträchtigung von Rechenfertigkeiten, insbesondere bei den Grundrechenarten Addition, Subtraktion, Multiplikation und Division. Um die höheren mathematischen Fähigkeiten geht es eher weniger.
Trotz der Rechenschwäche bringen diese Kinder in anderen Fächern gute oder durchschnittliche Leistungen. Deshalb geht man bei der Rechenschwäche – ebenso wie bei der Lese-Rechtschreibschwäche – von einer Teilleistungsschwäche aus.
Die Ursachen für die Entstehung einer Rechenschwäche sind zumeist in mehreren Faktoren zu suchen. Dazu zählen organisch-neurologische Ursachen (wie z. B. Schwächen in der visuellen Wahrnehmungsverarbeitung), soziale Ursachen (wie z. B. familiäre Konflikte) oder didaktische Ursachen (wie z. B. die unzureichende Anpassung der Unterrichtsmaterialien an die bestehenden Fähigkeiten des Kindes). Diese Faktoren können sich überlappen oder gegenseitig bedingen, so zum Beispiel, wenn visuelle Wahrnehmungsschwächen des Kindes zu Problemen mit bildlichen Materialien im Unterricht führen.
Welche Merkmale treten bei einer Rechenschwäche auf?
Kinder mit einer Rechenschwäche üben fleißig, kommen aber zu keinen sichtbaren Erfolgen. Sie klammern sich an ein Lösungsschema, nach dem sie alle Aufgaben unabhängig von ihrem Aufgabentyp lösen. Darüber hinaus benutzen sie auch in höheren Zahlenbereichen beim Rechnen heimlich oder offen die Finger als Zählhilfe. Sie verwechseln häufig die Grundrechenarten, verdrehen mehrstellige Zahlen beim Schreiben oder Sprechen (z. B. neununddreißig = 93). Auch das Rechnen mit der Zahl Null führt immer wieder zu Fehlern (z. B. 7-0 = 0).
Haben Sie den Eindruck, dass Ihr Kind möglicherweise unter einer Rechenschwäche leidet, sollten Sie einen Experten aufsuchen. Mittels pädagogischer Tests bestimmt dieser, wie stark der Lernstand des Schülers vom Leistungsniveau der Klassenstufe abweicht. Entscheidend ist darüber hinaus die Prozessanalyse, mit der geklärt wird, welche Denkfehler den falschen Antworten des Schülers zugrunde liegen.
Diese Informationen helfen, die Förderschwerpunkte Ihres Kindes im mathematischen Bereich zu bestimmen. Ansprechpartner für solche Tests sind Fachärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie, schulpsychologische Dienste, Erziehungsberatungsstellen sowie die Initiative zur Förderung rechenschwacher Kinder e.V. in Altbach. Weitere Informationen
und Fördermöglichkeiten finden Sie auch unter www.rechen-schule.de.
