Grundschul-Wörterbuch
AD(H)S
Aufmerksamkeitsdefizit-Störung (bzw. Syndrom) (H= mit Hyperaktivität). ADS-Kinder sind meist sehr still und verträumt, während die Kinder mit Hyperaktivität unruhig und laut sind. Diese Kinder haben eine sehr geringe Aufmerksamkeitsspanne und ihnen fällt es schwer, sich über einen längeren Zeitraum zu konzentrieren. Sie lassen sich leicht etwa durch Nebengeräusche oder die anderen Schüler ablenken und sind dadurch in ihrem Lernen erheblich behindert. AD(H)S kann nur von einem Arzt (Kinderarzt oder Kinder- und Jugendpsychiater/-psychologen) diagnostiziert werden. Er legt auch die Behandlung fest, die von Verhaltens- bzw. Aufmerksamkeitstraining bis zur Medikation (z.B. mit Ritalin) reichen kann.
Anfangsunterricht
Zu Beginn des ersten Schuljahres findet in den ersten Schulwochen der sogenannte Anfangsunterricht statt. Diese ersten Wochen sind sehr prägend für jedes Schulkind, denn hier erlernt es wichtige Grundlagen nicht nur des Lesens, Schreibens und Rechnens, sondern auch in Bezug auf das Sozial- und Arbeitsverhalten sowie Lernmethoden.
Bildungsstandards
Von der Kultusministerkonferenz vereinbarte sachbezogene Kompetenzen, die sich in den Lehrplänen der Bundesländer niederschlagen. In der Grundschule gibt es Bildungsstandards in Deutsch und Mathematik für die Jahrgangsstufe 4.
Differenzierung
Alle Kinder einer Grundschulklasse sind in Bezug auf ihren Entwicklungsstand und ihre individuelle Lernentwicklung verschieden. Die Differenzierung des Unterrichts ist notwendig, um jedes Kind hinsichtlich seiner eigenen Fähigkeiten individuell zu fördern. Dazu gibt es Formen der äußeren und der inneren Differenzierung (Binnendifferenzierung). Eine äußere Differenzierung bezieht sich auf eine Trennung in verschiedene, möglichst homogene Lerngruppen. Dahingegen arbeiten Schüler in Formen der Binnendifferenzierung an verschiedenen Lerninhalten bzw. auf unterschiedlichen Anspruchniveaus individuell und meist sehr selbstständig. Die Möglichkeit zur Differenzierung ist ein elementarer Bestandteil des Offenen Unterrichts.
Ergotherapie
Dies ist eine vom Arzt verordnete Therapieform zur Behandlung von Entwicklungsproblemen im Bereich der Wahrnehmungsverarbeitung, Grob- und Feinmotorik bzw. Körperkoordination. Die Ergotherapie enthält Übungen und Spiele für eine Verbesserung der Koordination, zur Gewinnung eines sicheren Körpergefühls und einer besseren Eigenwahrnehmung.
Freiarbeit (auch Freie Arbeit)
In Phasen der Freiarbeit innerhalb des Unterrichts haben die Kinder die Gelegenheit, selbstständig und individuell auf ihr Lerntempo und ihre Lernbedürfnisse zugeschnitten mit für sie bereitgestellten Lern- und Spielmaterialien zu arbeiten. Freiarbeit ist eine Methode des Offenen Unterrichts und in vielen Grundschulen als fester Bestandteil in den Stundenplan integriert. Wichtiges Element der Freiarbeit ist die Partner- und Gruppenarbeit.
Ganztagsschule/Offener Ganztag (auch OGaTa)
Ganztagsschulen gibt es in Form von gebundenem Ganztag oder offenem Ganztag (auch OGaTa). Die gebundene Form verpflichtet alle Schüler, sowohl vormittags als auch nachmittags an den Unterrichtsangeboten teilzunehmen (bisher in Deutschland noch selten). Der offene Ganztag bietet nur vormittags verbindlichen Unterricht, während der Nachmittagsunterricht nicht durchgängig verpflichtend ist. In der Regel findet Unterricht im herkömmlichen Sinne mit ausgebildeten Lehrern nur vormittags statt. Nachmittags wird häufig eine Hausaufgabenbetreuung angeboten und es finden Bildungsangebote in Form von AGs statt.
Lernvoraussetzungen
Die allgemeinen Lernvoraussetzungen wie Merkfähigkeit, Konzentrationsfähigkeit, Abstraktionsfähigkeit, Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit, sind für jegliches Lernen grundlegend. In Bezug auf fachliche Fähigkeiten sind jeweils fachbezogene Lernvoraussetzungen notwendig. Für den Erwerb des Lesens und Schreibens benötigt man z.B. die akustische und optische Wahrnehmungsfähigkeit, die Fähigkeit Laute zu unterscheiden sowie feinmotorische Fähigkeiten.
Lerntherapie
Im Rahmen einer Lerntherapie werden Lern- und Leistungsstörungen, die sich meist in einem der Bereiche Lesen-, Schreiben- oder Rechnenlernen niederschlagen, mit Hilfe eines Lerntherapeuten überwunden. Im Rahmen einer Lerntherapie wird neben der Arbeit am Symptom (z.B. LRS oder Rechenschwäche) am Aufbau des Selbstbewusstseins, an der Lernmotivation, Lernmethoden sowie der Merk- und Konzentrationsfähigkeit gearbeitet. Der Begriff Lerntherapie oder Lerntherapeut ist nicht geschützt.
Lese-Rechtschreibschwäche
Dies ist ein Sammelbegriff für erhebliche Schwierigkeiten beim Erlernen des Lesen und/oder Schreibens. Häufig gehen Auffälligkeiten im psychischen Bereich damit einher, wie z.B. Schulangst, motivationale Probleme, mangelndes Selbstbewusstsein usw.
